Warum neue PV-Anlagen vor dem intelligenten Messsystem nur 60 % ihrer Leistung einspeisen dürfen – und wie Sie den Ertragsverlust gering halten.
Die 60-Prozent-Regel ist eine vorübergehende Einspeisebegrenzung: Bis ein intelligentes Messsystem (iMSys) inklusive geprüfter Steuereinrichtung in Betrieb ist, darf eine betroffene PV-Anlage am Einspeisepunkt höchstens 60 % ihrer installierten Leistung ins öffentliche Netz einspeisen. Sie überbrückt die Phase, in der die Anlage technisch noch nicht für den Netzbetreiber steuerbar ist.
Mit dem Solarspitzengesetz (in Kraft seit 25. Februar 2025) wurde diese Regel neu gefasst. Sie gilt für Neuanlagen ab 2 kWp bis 100 kWp, die ab dem Stichtag in Betrieb gehen und noch kein funktionsfähiges iMSys mit Steuereinrichtung haben. Steckersolargeräte (Balkonkraftwerke) sind ausgenommen.
Eine 10-kWp-Anlage darf vor Inbetriebnahme der Steuerbox maximal 6 kW ins Netz speisen. Gemessen wird am Einspeisepunkt: Begrenzt wird die Einspeisung, nicht die Erzeugung – Strom, den Sie zeitgleich selbst verbrauchen (oder in den Speicher laden), zählt nicht zur 60-%-Grenze. Bis zum 01.03.2028 ist laut VDE-FAQ zur VDE-AR-N 4105:2026 auch eine feste Begrenzung der Wechselrichterleistung zulässig; dann geht auch Strom verloren, den Sie selbst nutzen könnten.
Genau hier liegt der Hebel: Je höher der Eigenverbrauch in den Mittagsstunden, desto seltener stößt die Anlage überhaupt an die 60-%-Kappung.
Der tatsächliche Verlust hängt stark vom individuellen Profil ab:
| Faktor | Wirkung auf den Verlust |
|---|---|
| Eigenverbrauchsquote | hoch → weniger Kappung, da Erzeugungsspitze im Haus verbraucht wird |
| Batteriespeicher | hilft nur, wenn er mittags noch Platz hat: Lädt er sofort, ist er an sonnigen Tagen meist vor der Spitze voll. Prognosebasiertes Laden senkt den Verlust deutlich |
| Ausrichtung | Süd-Anlagen mit scharfer Mittagsspitze verlieren mehr als Ost-West-Anlagen |
| Anlagengröße vs. Verbrauch | große Anlage bei kleinem Verbrauch → höhere Kappung |
Ohne Eigenverbrauch gehen bei Süd-Dächern (21–40°) im Bundesmittel 4,6–10,5 % der jährlichen Erzeugung verloren, bei Ost-West 0,1–1,3 %. Mit Eigenverbrauch ist es weniger: Eine 10-kWp-Süd-Anlage mit 4.000 kWh Haushaltsstrom und ohne Speicher verliert 2,5–8,3 %. Werte je Bundesland und Ausrichtung stehen in der Tabelle auf nulleinspeisung.com, Ihre Anlage rechnet der Rechner durch.
Ein Heim-Energiemanagementsystem schiebt Ihren Solarstrom automatisch dorthin, wo er zählt: Speicher, Wärmepumpe, Wallbox. So schmilzt der Verlust durch die 60-%-Regel – und sobald die Steuerbox aktiv ist, setzt das HEMS die Netzbetreiber-Signale sauber um. Das Soluxion HEMS Plus bringt §9 EEG plug-and-play mit.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an Ihren Netz- bzw. Messstellenbetreiber.